05.07.2000

Die Hanse- und Handelsstadt Bergen

Norwegens heimliche Hauptstadt

Hafenviertel von Bergen
Die Einwohner Bergens hören es gar nicht so ungern, wenn man ihre Heimatstadt die heimliche Hauptstadt Norwegens nennt. Ein bisschen was dran ist an dieser Bezeichnung, immerhin ist Bergen mit knapp einer viertel Million Einwohner die zweitgrösste Stadt des Landes und war, zumindest der Bedeutung nach, lange Zeit die absolute Nummer Eins. Über Jahrhunderte residierten die Könige hier und lange kontrollierte das Hansische Kontor von Bergen aus den gesamten Nordlandhandel. Dabei waren es über lange Zeit Ausländer, die in den immer noch ausgezeichnet erhaltenen Tysk Bryggen regierten und Bergen sowie grosse Teile Norwegens beherrschten. Zumeist führten Deutsche „Regie“ in den alten Handelshäusern. Im Mittelalter war Bergen neben London, Brügge und Novgorod der wichtigste Umschlag der Hanse. Doch Macht und Grösse der Hanse zerfielen. 1754 wurde ein eigenes norwegisches Handelskontor gegründet und schon kurze Zeit später, 1766, wurde das letzte Hansehaus an die Norweger verkauft.
 

Heute stehen die Bryggen auf der UNESCO Liste des Weltkulturerbes und sind eines der beeindruckendsten lebendigen Zeugnisse mittelalterlicher Geschichte in Skandinavien.

 

Museumsdorf Gamle Bergen

Das Hanseatische Museum zeigt die Nutzung und Einrichtung der von ihren Erbauern Höfe genannten Bryggen. Das Bryggenmuseum selbst stellt all jene Funde aus, die im Rahmen umfangreicher Ausgrabungen an den Bryggen in den Jahren zwischen 1955 und 1968 gemacht wurden. Ist man einmal auf „Historien-Trip“, kann man seine Reise in die Vergangenheit im Museumsdorf Gamle Bergen (Alt Bergen) am Rande der Stadt fortsetzen. Auf dem Weg dorthin passiert man den Rosenkranzturm und die Hakonshalle auf dem Gelände der alten Festung Bergenhus, die die Hafeneinfahrt zur Stadt vor feindlichen Angriffen schützte. Man merkt also, Vergangenheit ist in Bergen ständig gegenwärtig. Bei all diesen Besichtigungen im Freien braucht man jedoch etwas Glück. Bergen ist nämlich auch die „Regenmetropole“ des Landes. Mehr als 2000 Liter Wasser fallen hier jährlich pro Quadratmeter. Im Vergleich dazu sind es in Oslo nur 600. So giesst, regnet oder nieselt es hier eigentlich fast permanent. Und dass nicht nur zum Missmut der Gäste. Ein Bergener verbraucht jährlich wohl an die zehn sturmerprobte Regenschirme.

 

Doch die gute Laune lassen sich die Bergener vom Regen nicht nehmen. Einige Sonnenstrahlen genügen und sie strömen ins Freie. Dann herrscht noch bunteres Treiben auf dem Marktplatz und noch mehr junge hübsche Norwegerinnen bummeln am Torget oder an den Bryggen. Sehen und gesehen werden – ein weltweit beliebtes Spiel nicht nur für Teenager. Bergen kann gleich auf zwei Aussichtspunkte mit Panoramablick verweisen. Vom Floyen aus, auf dessen 319 Meter hohen „Gipfel“ eine Zahnradbahn fährt, gleicht die Stadt einem lustigen Spielzeugdorf. Dann ist da noch der Ulriken, der  fast doppelt so hoch ist und den man bequem mit der Seilbahn erklimmt. Von ihm reicht der Blick weit über die Stadt und die sie umgebenen Berge sowie die Fjorde vor den (Wasser-) Toren Bergens.

 

Letzte Änderung: 05.07.2000
Medien (diese Seite): axel
Autor: axel

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