Extremes Dubai
Extravaganz und Einsamkeit
Schon nach wenigen Stunden, die Landung in Dubai. Problemlos die Einreise, problemlos die Weiterreise in die Stadt. Dubai ist gerüstet für die Zeit nach dem Öl, setzt auf Tourismus und Big Business. Noch immer ist der Creek die Lebensader der Stadt. Der schmale Meeresarm zieht sich tief ins Land, teilt Dubai in Neu- und Altstadt. Am Ufer schießen die Hochhäuser wie Pilze aus dem Boden. Immer höher, immer extravaganter lautet die Devise. Das Alte musste weg. Häuser aus Korallenstein mit Windtürmen, verwinkelte Gassen mussten weichen. Stattdessen Glas, Beton, Spiegelfassaden. Aber das alte Dubai ist nicht völlig im Heritage Village und ins Museum im Al-Fahidi-Fort verbannt worden.
Kreischend begleiten die Möwen die Abras auf dem Creek. Unablässig kreuzen die kleinen Barkassen hin und her, bringen Einheimische und Touristen von einem Ufer ans andere. Es herrscht geschäftiges Treiben. Am Kai haben die Dhaus festgemacht. Diese uralten Segler bringen Waren aus Persien, Indien und den anderen Emiraten. Unter dem Sonnensegel sitzt der Kapitän, trinkt seinen Tee und beobachtet das Entladen. Schwitzend bringen Lastenträger Säcke und Kisten an Land. Eine Dhau entladen bedeutet vollen Körpereinsatz. Während sich die Waren auf dem Kai stapeln, wird das Nachbarschiff beladen. Auf einer Tafel sind die Zielhäfen angeschrieben: Bahrain, Muskat, Bombay - Namen, so exotisch wie die Waren. Kaum ausgeladen, verschwinden die Säcke, tauchen wenig später in den Souks wieder auf. Schattig sind die Gassen, das grelle Sonnenlicht bleibt draussen, wird ersetzt durch Neonlicht.
In den kleinen Geschäften herrscht "Tausend und eine Nacht". Schwere Brokatstoffe und Seide, aber auch buntbedruckte Baumwolle für den Alltag stapelt sich bei den Tuchhändlern. Schwer liegt der Duft orientalischer Parfums in der Luft. In bunten Schachteln und verzierten Flakons warten die Wohlgerüche Arabiens auf Käufer. Vor den Geschäften der Gewürzhändler steht der Weihrauch gleich sackweise, daneben getrocknete Zitronen, Muskatnüsse. In den Geschäften, Zimt, Kardamom und Pfeffer in Kästen und Tüten. Obst und Gemüse sind zu Pyramiden aufgebaut, die Stände quellen über vor Früchten aus aller Herren Länder. Und wenn die Händler im Gold-Souk ihre Vitrinen öffnen, wir die Geschichte von Ali Babas Schmuckkisten Wirklichkeit. Scharen von Touristen, angelockt von den günstigen Preisen, und verschleierte Araberinnen flanieren entland den Auslagen. Die Kaufentscheidung wird nicht leicht gemacht. Bei der Fülle an Ketten, Ringen und Armreifen fällt die Entscheidung schwer, trifft die Vorliebe für filigranen Goldschmuck auch nicht so ganz europäischen Geschmack.
Aber Dubai ist zu interessant, um nur auf Einkaufschnäppchen reduziert zu werden. So eben noch in einer quirligen Metropole, breitet sich nach nur wenigen Kilometern die Wüste aus. Nichts als Stille. Nur der Wind ist zu hören und verleiht den Dünen ständig ein neues Gesicht. Der Sand wird aufgetürmt, abgetragen, in Riffel und Wellen geformt. Je nach Sonnenstand leuchtet er rötlich und goldfarben. Einige dürre Sträucher, Disteln und trockene Gräser sind die einzigen Lebenszeichen. Am Horizont, im blauen Dunst, das Hajar-Gebirge. Wie ein Scherenschnitt zeichnen sich die Berge scharf gegen den Himmel ab. Die Hatta-Pools gleichen einer Fata Morgana. Mitten in der kargen Landschaft plätschert Wasser. Es stürzt über Felsen, zwängt sich durch Spalten, sammelt sich in den Vertiefungen. Das klare Wasser lädt zu einem erfrischenden Bad ein.
Im Grau-Gelb der Wüste, wirkt das Grün der Palmen in den kleinen Oasen besonders intensiv. Nach einem ausgeklügelten System wird das Wasser auf die Felder geleitet, bewässert Dattelpalmen und Gemüse. Auf den Hügeln sieht man noch die kleinen Dörfer. Lehmbauten gegen sich gegenseitig Schatten, Ziegen knabbern am dürren Gras. Die Zeit steht still. Abseits der Strasse wird ein Jagdfalke trainiert. Regungslos, eine kleine Lederkappe bedeckt den Kopf, sitz der Vogel auf dem Arm seines Trainers. Eine Taube wird freigelassen. Wie ein Geschoss jagt der Falke der Taube hinterher. Die Jagd dauert nur wenige Sekunden, dann sitzt der Räuber mit ausgebreiteten Schwingen über seiner Beute. Die Falkenjagd hat in Arabien eine lange Tradition und wird bereits seit dem 15. Jahrhundert ausgeführt. Weibliche Tiere werden bevorzugt, sind sie doch grösser und kräftiger als die Männchen. Ganz preiswert ist das bei Scheichen und Beduinen beliebte Hobby nicht, kostet ein guter Jagdfalke leicht mehrere Tausend Euro.
Langsam neigt sich der Tag dem Ende zu. Beim Fahren ist jetzt Vorsicht geboten. Die Kamele, eigentlich Dromedare, trotten mit stoischer Ruhe Richtung Stall. Den ganzen Tag durchstreiften sie die Einöde, suchten nach Fressbarem. Sie wissen genau, dass sie im Stall gefüttert und getränkt werden. Und sie haben Vorfahrt, lassen sich durch lautes Hupen nicht aus der Ruhe bringen.
Glutrot geht die Sonne unter. Die Dünenlandschaft verfärbt sich tiefrot, dann bläulich, dann schwarz. Noch flimmert die Hitze über dem Strassenasphalt, dann ist plötzlich tiefe Nacht.
Urlaub wie Sie ihn planen