27.02.2004
Der Karneval von Oruro
Farbenfrohes Spektakel mit viel Tradition
Das Karnevalsfest in Oruro beginnt am Faschingsdienstag mit einem zwölfstündigen Spektakel und mehr als 40.000 Feiernden in den Strassen voller Farbenfreude, Musik und einer Wallfahrt zur Kapelle der Jungfrau. An der Kapelle angekommen, legen die Tänzer ihre Masken ab und bringen der Jungfrau ihre Opfergaben dar. Am Sonntag folgt der grosse Umzug. Tags darauf ist der "Tag des Teufels und des Schwarzen" und am darauf folgenden Samstag steht ein grosser Wettbewerb im Stadion der kleinen Stadt an. Am Sonntag schliesslich wird der Karneval begraben, nachdem die Kinder mit ihrer Königin noch ihren Umzug feiern konnten. Am Nachmittag verabschiedet man sich von den verrückten Tagen zu Füssen der mythischen Monumente der Stadt: der Schlange, der Kröte und des Kondors.
Ein Blick in die Geschichte und die multikulturelle Vielfalt des Landes: Die folkloristischen Tänze und Kostüme haben ihre Wurzeln im Aufeinandertreffen von Indios, Europäern und Schwarzafrikanern, die zur Sklavenarbeit in den Minen von Potosí in die "Neue Welt" gebracht wurden, als die Kräfte der Ureinwohner verschlissen waren. Am berühmtesten sind die "Diabladas", die Teufelstänze, die ihren Ursprung in der Legende um den Chiru-Chiru haben, einem Tagdieb, der am Fuß des Silberberges "Pie de Gallo" hauste und es immer wieder schaffte, die Habseligkeiten, die er den Menschen an einem Ende der kleinen Stadt stahl, am anderen Ende von Oruro wieder zu verkaufen.
Die Menschen, die ihn kannten, ignorierten sein Tun und hielten ihn für einen Bettler und Vagabunden. Eines Nachts wurde jener Chiru-Chiru tödlich verletzt, als er einem Minenarbeiter seine Habseligkeiten stehlen wollte. Die Jungfrau von Candelaria, die Chiru-Chiru immer verehrt hatte, nahm sich des schwer Verletzten an und erwies dem reuigen Sterbenden ihre Gnade. Als die Menschen des kleinen Städtchens ihn fanden, entdeckten sie zu seinem Haupt das wunderbare Bildnis der Jungfrau. Die Mine, die sich dort befand, wurde von nun an der "Socavón de la Virgen", der "Unterirdische Gang der Heiligen Jungfrau" genannt.
Es entstand eine Wallfahrtskapelle an diesem Ort. Jedes Jahr von Karnevalssamstag an gibt es Tänze zu ihren Ehren und eine Wallfahrt zur Kapelle. Als Teufel verkleideten sich die Minenarbeiter - aus Angst vor dem bösen Berggeist, dessen Ankunft sie stets während ihrer unterirdischen Arbeit befürchteten. Eine weitere Gruppe von Tänzern sind die "Morenos" mit ihren "Morenadas" - Tänzen, die vom Elend der schwarzen Minenarbeiter berichten. "Los Incas" schliesslich sind Tänze, die die Geschichte der Ureinwohner erzählen, ihre Entdeckung, ihre Eroberung und ihren Untergang.