Do´s & Dont´s in Marokko
Verhaltensguide
Insgesamt sind die orientalischen Traditionen weitgehend erhalten geblieben und genau diese kulturellen Verhaltens- und Denkweisen machen es Europäern jedoch oft schwer, Land und Leute zu begreifen. Wir haben daher 10 Situationen herausgegriffen, die leicht zur Falle für Marokko-Touristen werden können.
1. Marokko ist (nach wie vor) eine Männerwelt. Frauen werden umso mehr respektiert, je zurückhaltender und verschlossener sie agieren. So kann es Europäerinnen in knapper Kleidung durchaus passieren, dass sie in der Stadt unzählige Male unsittlich am Hinterteil berührt werden. Wer dies vermeiden möchte, sollte in eine "Chellaba", das traditionelle Frauenkleid, investieren - der Effekt ist unglaublich: keinerlei Belästigung mehr, ja mehr noch: Auch beim Handeln im Souk erzielt man bessere Preise.
3. Auch wenn man sich nicht auf die Tee-Einladung einlässt - vielleicht weil man schon bei drei Händlern den pappsüssen "Berber-Whiskey", wie die Araber ihren Sud aus extrem viel Zucker, Pfefferminze und ein wenig grünem Tee nennen, getrunken hat, sollte man doch ein kurzes Gespräch mit dem Händler über die Ware führen. Und ihren Preis verhandeln. Als Faustregel gilt: Ein Drittel Nachlass ist immer drin. Wenn Sie eine Summe 40 Prozent unter dem Startpreis aushandeln, erhalten Sie oft sogar das Lob "Sie handeln wie ein Berber". Seien Sie stolz darauf.
4. Ach ja, und keine Angst vor der Sprache: Die Händler sprechen - zumindest in den Städten - alle Französisch oder Englisch. Sollten sie weder das eine noch das andere sprechen, können Sie trotzdem handeln. Oft hält man Ihnen ein Maßband unter die Nase, auf dem die Summe gezeigt wird oder der beflissene Kaufmann schreibt den Wert auf ein Stück Papier. Es wird erwartet, dass Sie ein Gegenangebot machen. Tun Sie dies nicht, ist das fast ein wenig beleidigend gegenüber dem Händler, da es ihn um das Vergnügen eines kleinen Streitgesprächs bringt.
5. Auch wenn Sie die Szenen auf dem Souk wahnsinnig gern fotografieren würden, fragen Sie immer zuerst, wenn Sie Fremde ablichten wollen. Der Islam verbietet es, Menschen abzubilden - daher finden sich in muslimischen Häusern und Moscheen als dekorative Elemente zum Beispiel nur geometrische Muster, niemals jedoch Abbildungen von Lebewesen. Viele Marokkaner glauben auch heute noch, dass es im Rahmen des Glaubens Nachteile für sie haben könne, wenn sie sich fotografieren lassen. Eine Ausnahme bilden die folkloristischen Wasserverkäufer und Gaukler, die heute nur noch für die Touristen durch die Städte laufen und jederzeit für ein Foto posieren - gegen Bezahlung versteht sich.
6. Lassen Sie sich von den marokkanischen Spezialitäten begeistern. Es gibt überall - auf der Landstrasse, in den Dörfern und in den Städten - Restaurants und Cafés, die das Nationalgericht "Tajine" anbieten. Es handelt sich dabei um ein traditionelles Gericht, das ein bisschen an unseren Römertopf erinnert. In einem Tongefäss werden Gemüse und Fleisch (Hammel, Rind oder Huhn) mit Öl und Gewürzen bestrichen. Das Gefäss wird in glühende Asche gesetzt und mindestens zwei Stunden gegart.
7. Je schmuddeliger die Einrichtung des Restaurants, desto besser schmecken in der Regel die Gerichte. Also keine Scheu, wenn der deutsche Reinlichkeitsmaßstab etwas legerer ausgelegt wird und sich der ein oder andere Brotkrümel oder Hühnchenknochen auf dem Boden findet.
8. Bevor Sie mit dem Essen beginnen, sollten Sie sich die Hände in dem Waschbecken, das sich in jedem Restaurant an der Wand befindet, waschen. Marokkaner essen mit den Fingern bzw. nutzen das Brot, das zu jeder Malzeit serviert wird, als Löffel. Für Europäer werden inzwischen jedoch Gabeln verteilt. Gegessen wird mit der rechten Hand, die linke liegt leger im Schoß. Sie gilt als unrein, da die Araber sie auf der Toilette zum Reinigen ihres Hinterns benutzen. Aus diesem Grunde sollte man einem Marokkaner auch niemals etwas mit der linken Hand reichen oder ihm mit links zuwinken. Das gilt als ebenso unhöflich, wie wenn man in Deutschland bei Tisch ständig rülpsen würde.
9. Neben den kulinarischen Highlights sollte man sich auch den Besuch in einem Hammam, dem traditionellen arabischen Bad, nicht entgehen lassen. Männer und Frauen gehen strikt getrennt, im Frauen-Hammam arbeiten ausschliesslich weibliche Angestellte, und auch die Männer sind unter sich. Man kann das Komplettprogramm bestellen, da wird man von einer der Bäderfrauen bzw. bei den Männern von einem Bademeister von Kopf bis Fuss sauber geschruppt, inklusive Kurz-Massage und Rasul, der arabischen Version von Hair Care. Und nach dem Bad wird man sich so sauber fühlen wie nie zuvor im Leben. Unvorstellbar, dass man sich nur eine halbe Stunde in den feuchtwarmen, dampfenden, wohltemperierten Räumen verwöhnen hat lassen, fühlt man sich doch wie ein neuer Mensch.
10. So wunderbar das Wasser im Hammam ist, so vorsichtig sollte man bei Leitungswasser sein. Niemals trinken! Die Kläranlagen in Marokko sind keine technischen Neuheiten und das Wasser kann Keime enthalten, die manchem Verdauungstrakt zu schaffen machen. Besonders auf der Hut sein sollten Sie daher auf den Märkten. Verzichten Sie besser auf Eiswürfel und frisch gepressten Orangensaft. Oft wird er ein wenig mit Leitungswasser gestreckt. Achten Sie auch beim Kauf von Wasserflaschen darauf, dass die Behältnisse versiegelt sind - ist das nicht der Fall, besteht die Gefahr, dass einfach Leitungswasser abgefüllt wurde.
Eine Marokko-Reise ist ein kleines Abenteuer, trotz aller Verhaltensregeln, von denen Sie vielleicht schon gehört oder gelesen haben. Das Wichtigste ist, dass Sie sich auf Land und Leute einlassen und ihnen mit Neugier und Respekt begegnen. Dann wird ihr Urlaub ein unvergessliches Erlebnis.
Urlaub wie Sie ihn planen