14.07.2005
Segel setzen auf der dänischen Insel Seeland
Smörrebröd und Seemannsgarn
Sechs Uhr morgens: Auf dem Segelboot im Hafen von Helsingör kappt Skipper Poul die Leinen, das Schiff tuckert aus dem Hafen, hinaus auf die spiegelglatte Ostsee. Idyllische Ruhe. Außer ein paar Fischerbooten und einer Schnellfähre ist niemand unterwegs. Majestätisch ist noch lange das Schloss Kronborg mit seinem patinierten Kupferdach zu sehen - Hamlet wäre es warm ums Herz geworden. Das elegante Renaissanceschloss wurde 1574 bis 1585 auf den Resten einer alten Burg errichtet. Historisch nicht ganz korrekt, machte Shakespeare die Feste zur Heimstatt seines tragischen Dänenprinzen. In der Kajüte riecht es schon nach frisch aufgebrühtem Kaffee. Gegen Mittag hat die Flaute dann ein Ende. Endlich kommt Wind auf. Rasch setzen Poul und seine Hobby-Matrosen die Segel. Der Motor stoppt. Jetzt ist das Boot mit dem klingenden Namen Paradox eins mit der See. Die Sonne bricht durch die Wolken. Die Temperatur: Angenehme 24 Grad. Bei den Seglern breitet sich schläfrige Zufriedenheit aus. Es ist nur noch das Zischen der Gischt zu hören, die vom Boot wegspritzt. Gegen zwei Uhr ist weit und breit kein Land mehr zu sehen. Die Welt besteht nur noch aus Horizont und Wasser.
Kurs auf die Insel Samsö. Mittlerweile hat sich auf allen Gesichtern ein kleiner Salzfilm gebildet. Von der vielen frischen Luft haben alle einen Bärenhunger. Wie es sich für ein dänisches Mittagessen gehört, werden kunstvoll belegte Smörrebröd ausgepackt. Zur Verdauung gibt's das eine oder andere Glas Aquavit. Aus dem Augenwinkel werden Janne und Niels-Henrik auf eine Bewegung auf dem Meer aufmerksam: Marsvine. Dieser Törn muss unter einem guten Stern stehen. Denn die kleinen Meeressäuger lassen sich nur sehr selten blicken und sind die einzigen Wale, die in den dänischen Gewässern ihren Nachwuchs bekommen.
Dann will Skipper Poul den vier Gästen auf seinem Boot etwas zeigen. Der alte Steuermann hat alle Ozeane dieser Welt bereist. Mit dem zwölf Meter langen Boot hat er sich einen Lebenstraum erfüllt. Jeder Mast, jede Gardine, jede Planke und auch den kleinsten Quadratzentimeter Segel hat er selbst angefertigt. Mit einer Schnur zeigt er den staunenden Passagieren die kompliziertesten Seemannsknoten. Der Hafen auf Samsö ist nicht mehr weit. Langsam wird es dunkel. Bevor die Sonne verlöscht, legt sie sich aber noch einmal richtig ins Zeug und taucht den ganzen westlichen Himmel und das Meer in gleissendes Gold: Atemberaubend schön.
Endlich ist der Anlegeplatz erreicht. Nach 15 Stunden auf See dauert es ein wenig, ehe alle sich wieder an den festen Boden unter den Füssen gewöhnt haben. Schnell lernen die Neulinge, dass Segler ein offenes Völkchen sind. Maats, Skipper und Hobbymatrosen von anderen Booten schauen auf einen lockeren Spruch vorbei, leihen sich was oder helfen gern. Spät am Abend wird es so richtig gemütlich. Auf dem Pier hat sich eine kleine Menschentraube versammelt. Bei eisgekühltem Tuborg und guten Gesprächen steigt die Stimmung schnell. Poul hat einen alten Schiffskameraden getroffen. Bald hören alle nur noch den beiden zu: Sie spinnen Seemannsgarn und übertreffen sich gegenseitig mit abstrusen Geschichten. Bjarne will nachts auf einem einsamen Segeltörn auf UFOs gestossen sein. Gegen ein Uhr geht's ab in die Kojen. Und in Sekunden sind alle eingeschlafen - begleitet vom sanften Wippen des Bootes.