Camel-Team in Lissabon
Der kanadische Reiseführer in Lissabon
Arthur ist dagegen weitaus weniger zielstrebig, er hat sich lediglich einen kurzen Spaziergang am Rio Tejo vorgenommen. Spontan lassen wir uns von ihm leiten und aus seinem kurzen Spaziergang wird eine kleine Weltreise. Der Mann ist viel rumgekommen, und mit seiner rauhen Stimme und den verschmitzten Lachfältchen erinnert er uns irgendwie ein wenig an Robert DeNiro. Doch nach einiger Zeit können uns selbst seine aufregenden Geschichten nicht mehr von unserem leeren Magen ablenken. Arthur ist das nicht entgangen: "Are you hungry, men?" Das sind wir. Sehr sogar.
In seiner Wohnung um die Ecke gibt`s ein Gläschen original kanadischen Whiskey und dazu seine Lieblingsplatte von Diana Krall. Arthurs Lächeln wird noch breiter und mit einem Glänzen in den Augen erzählt er uns vom schönsten Ort der Welt: British Columbia an der Westküste Kanadas. Darauf wären wir nach diesem Tag irgendwie nicht gekommen. Denn dank Arthur ist auch schon Belêm der Hammer.
Erst weit nach Mitternacht sitzen wir wieder am Bahnhof; dort, wo wir vor ungefähr acht Stunden die portugiesische Ausgabe eines Robert DeNiro aus Kanada getroffen haben. Mamas Reiseführer liegt immer noch in Tasche. Irgendwo unten.
Fest versprochen
Arne reibt sich die Augen, Christian und Christoph schlafen fast ein und die Sonne geht über dem "Portas do Sol" in Lissabon auf. Nur Marta ist nicht da. Dabei hatte sie es fest versprochen. Sechs Stunden zuvor öffnet uns der Türsteher mit einem fetten Kaugummigrinsen die Tore zum Queens-Club im Hafenviertel. Wir wissen nicht, ob er einfach nur gut gelaunt ist oder uns auslacht, denn wir tragen unsere neuen Schnäppchenjackets, um bei der "Ladies Night" eine gute Figur zu machen. Der Eintritt kostet fast so viel wie unsere Garderobe, doch immerhin sind zwei Drinks inklusive. Von Marta wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch gar nichts. Ladies Night?
Schön und gut. Um zwei Uhr ist die Tanzfläche noch gähnend leer, und der DJ spielt auch noch portugiesische Modern-Talking-Musik. Mit einem fetten Song allerdings ändert sich das schlagartig: Vermutlich läuft der Nummer-Eins-Hit des Landes, den jeder außer uns dreien kennt: Im Queens-Club brennt die Luft. Die Theke verspricht Kühlung, doch als wir dort ankommen, erwartet uns nicht Sekt auf Eis, sondern eine laute Lache. Es ist Marta, und sie amüsiert sich prächtig über unsere Low-Budget-Jackets. Ungestraft auslachen darf die Corleones eigentlich niemand, doch Marta meint es nicht böse, und außerdem haben wir uns längst in ihren Augen verloren. Wir spendieren ein paar Drinks, bekommen von ihr einen Schnellkurs in Salsa, und Martas Freundinnen lachen fast genauso bezaubernd.
Langsam nimmt die Ladies Night Gestalt an.
Wir unterhalten uns in einer Mischung aus Zeichensprache, Amateur-Portugiesisch und Englisch, wobei Marta natürlich alles besser beherrscht. Mittlerweile tanzen auf der Bühne muskulöse Tänzer... ach ja, Ladies Night... vielleicht ein guter Zeitpunkt für den Rückzug. Marta erzählt uns vom Sonnenaufgang am Portas do Sol, ein Blick auf die maskuline Bühnenshow sagt uns, dass dies jetzt zweifelsohne ein besserer Platz wäre. Suchen müssen wir den Ort allerdings alleine, denn Marta hat ihre Freundin verloren und möchte nachkommen. Versprochen!
Ein Taxi bringt uns zum Portas, es ist noch dunkel und Arne reibt sich die Augen. Marta kommt nicht. Es wird Morgen, und die ersten Strahlen erhellen die Altstadt, die vor uns liegt. Marta fehlt, und uns erhellt gar nichts mehr. Plötzlich holt Christian einen CD-Player aus der Tasche, mit einem Louis-Armstrong-Song, den wir laut über Lissabon spielen.
Die Sonne färbt die Gebäude rötlich, erste Fischerboote fahren raus aufs Meer und wir vergessen Marta, auch die Ladies Night, und lachen mit Louis um die Wette. Ein Espresso-Stand öffnet, der Besitzer Carlos stellt die Tische auf. Gäste fehlen noch, außer den Corleones, die die erste Schlange bilden. Carlos mag unsere Jackets (der Mann hat Stil!), und hätten wir Marta im Arm, sähen wir aus wie Gigolos. So bleiben wir halt die Corleones mit ihren Schnäppchen-Jackets, aber mit dem besten Espresso der Stadt. Nächstes Mal dürfen wir ihn sogar selbst kochen. Carlos hat es fest versprochen.
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