05.08.2004

Camel-Team in Delhi

Heilige Kühe & Freche Kamele

Camel-Team vor Palast in Delhi
Nicht EIN Auto hupt, auch nicht zwei. Dem Lärm nach zu urteilen, müssen es Tausende sein. In Delhi kennen die Fahrer keine Verkehrsregeln - und keine Rück- oder Seitenspiegel. Jedenfalls werden die nicht benutzt; da drückt man lieber ein paar Mal auf die Hupe!

 

Billa, ein 24-jähriger Punjabi, ist da keine Ausnahme. Doch ER hat das Taxifahren gelernt und einen regulären Führerschein gemacht. DAS allerdings ist eine Ausnahme in Indien! Auf den Strassen herrscht Chaos. Wer Platz braucht, muss ihn sich schaffen oder die Lücken nutzen zwischen all den Taxen, Rikschas, Fahrradfahrern, Menschen und Kühen. DIE dürfen hier nämlich machen, was sie wollen: Schliesslich sind sie ja heilig! "This is India. It's just crazy!", lacht Billa. Der Grossteil des Lebens spielt sich in Delhi auf der Strasse ab. Menschen essen, verkaufen Handgemachtes, Textilien und Getränke oder spielen im Schatten Karten. Gnadenlose Hitze treibt jedermann Schweißperlen auf die Stirn.

 

An einem Sommertag nähert sich das Thermometer nicht selten der 50-Grad-Celsius-Marke. Gott sei Dank hat Billas Auto eine Klimaanlage, sonst würden wir zerschmelzen - obwohl wir uns schon die typisch indische, luftige Traditionskleidung zugelegt haben, die sogenannte Gurta Pajama.

 

Camel-Team in den Strassen Delhis
Billa, dessen Familie eine Farm in Punjab besitzt, hat bis vor fünf Jahren zuhause gelebt und Kunst studiert. Er war Kapitän im Uni-Volleyballteam und natürlich Schwarm aller Frauen, bevor er vor knapp fünf Jahren nach Delhi zog, um hier zu arbeiten. Mit ein bisschen Glück bekam er schon bald den Job als Taxifahrer. Heute ist er an die Corleones geraten, die an ihrem ersten Tag in der 14-Millionen-Metropole zunächst völlig überfordert waren. Doch mit Billa als Führer und Fahrer fühlen wir uns sicher, denn er verspricht als solches sein Bestes zu geben: "I’m your driver, your guide... and also your bodyguard." Doch für uns ist er sogar noch viel mehr, nämlich ein guter Lehrer mit Fachbereich "Indische Kultur" und ein neuer Freund. Zusammen mit Billa wollen wir Delhi verlassen - es zieht uns in die Städte Pushkar, Agra und Jaipur. Früh am nächsten Morgen geht's los, die Fahrt nach Pushkar dauert acht Stunden. Unterwegs gibt Billa uns wertvolle Tipps, wie wir die cleveren Tricks einiger Schlitzohren umgehen können, damit wir nicht auf dem Sofa eines zwielichtigen Souvenirverkäufers von dem Pülverchen im doch so nett gemeinten Tee einschlafen und dann - um Kamera und Geldbörse erleichtert - in der Wüste wieder aufwachen.

 

In Pushkar kennt Billa einen Kamelbesitzer und arrangiert uns einen kleinen Ausritt. Pünktlich zum Sonnenuntergang sind wir draussen auf den Sanddünen. Die drei Corleones sehen nicht besonders geübt auf den Kamelen aus - Christian hat sein Kamel "Johnny" überhaupt nicht im Griff: Alle paar Meter bleibt Johnny einfach stehen, um von den umherstehenden Büschen und Bäumen zu naschen. Christophs "Diamond" ist zwar weniger verfressen, jedoch schüttelt er seinen Reiter so kräftig durch, dass er um ein Haar vom Höcker fällt. Schliesslich will Arnes Kamel bei einer Pause auf den Dünen Reissaus nehmen, allerdings kann Arne noch rechtzeitig die Zügel packen und den frechen "Kobra" an der Flucht hindern. Billa lacht uns erst mal heftig aus, bevor wir ins Hotel fahren und bei einem feurigen Chicken Tandoori unsere Erlebnisse auf Indiens Strassen und Kamelen noch einmal Revue passieren lassen.

 

Letzte Änderung: 05.08.2004
Medien (diese Seite): ctcb
Autor: ctcb

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