13.07.2004

Camel-Team - Welcome to Brunei

Camel-Team auf Welttour

Camelteam in Brunei
"Welcome to Brunei", lächelt uns die Stewardess der Thai Airways entgegen und entlässt uns mit einer lilafarbenen Orchidee in unsere neue Zehn-Tage-Heimat Brunei. Die Flughafentür öffnet sich und wir atmen wunderbare Gewächshaus -wir -sind -jetzt -ganz -weit -weg -von -zu -Hause -Luft. Da wir weder eine Vorstellung von Brunei noch ein Hotel gebucht haben, setzen wir uns und lassen erst mal ein paar Minuten lang alles auf uns zukommen. Schnell bemerken wir, dass die Bruneisen den Anblick von Europäern nicht zu ihren täglichen Übungen zählen.

 

Eine halbe Zigarettenlänge später ist das Team Buktu die Sehenswürdigkeit überhaupt - wir sind goldene Moschee, goldenes Kalb und Nationalpark in einem. Auf uns zeigen Finger und Fotoapparate und wir fangen ungewöhnlich viele, freundliche Lächeln auf. Auch unser Lächeln erreicht die Maximalbreite, als wir zum ersten Mal bemerken, dass wir in der freundlichsten Zwergenstadt der Welt gelandet sind. Die Menschen mit dem grossen Lächeln in den Gesichtern sind nämlich allesamt (wie auch die Schrift hier) klitzeklitzeklein.

 

Und freundlich wie sie sind, wird auch gleich ein Taxi für uns bestellt. Das Taxifahrerlein sehen wir erst, als es hinter dem Auto hervorkommt. Da unsere Rucksäcke das Dreifache an Körpergewicht und Grösse des Fahrerleins bedeuten würden, tragen wir unsere Rucksäcke selbst zum Kofferraum und los geht’s im Linksverkehr Richtung Gulliverland. Silke verliebt sich sofort in die bizarre Kulisse dieser Fahrt. Unser Fahrer ist mindestens 217 Jahre alt und hat etwa seit seinem 100. Geburtstag nicht mehr in seinem Taxi aufgeräumt.

 

Auf der Rückbank liegen Geodreiecke, Heckenschere, ein chinesischer Kalender von 1986 und die von der Sonne ausgegerbten Badeshorts, in der er vermutlich das Barbecue zu seinem 150. gegeben hat.

 

Camelteam in Brunei
Die Tasten des Taxameters wurden im Laufe der Jahrzehnte von schwarz auf weiss gedrückt und wahrscheinlich öfters betätigt als die Lichtschalter seiner bruneisischen Villa. Auch wenn er noch nie so richtig über das Lenkrad schauen konnte, sieht er nun schon lange überhaupt nichts mehr, lenkt die Strecken jedoch aus Gewohnheit sicher wie ein Sofakissen. Radio brauchen wir nicht, denn der blumige Monolog in fantastischer Zwergensprache gemixt mit bizarren Handbewegungen ist Unterhaltung genug. Gerade entdecken wir die Fotos seiner Frau hinter den von Gummibändern gehaltenen und in Frischhaltefolie gehüllten Sonnenklappen, als wir vor der Jugendherberge anhalten. Noch einmal entblösst der Taxifahrer mit einem Lächeln seinen letzten Zahn und fährt gen Sonne von dannen.

 

Brunei - wir kommen. Wir wollen von euren Tellerchen essen und in euren Bettchen schlafen.

 

Bevor wir auf den Markt gehen, gibt’s noch eine Anti-Jetlag-Dusche und als Julia sich einen Handtuchturban machen möchte, reicht das Handtuch gerade mal von Ohr zu Ohr.

 

Ein netter Bruneise, der aussieht wie ein Zuhälter aus den 70er Jahren, erklärt uns den Weg zum Markt, auf dem es laut Reiseführer Zauberamulette geben soll. Feuchte Tropenluft pustet uns zum Flüsschen, an dem wir auch schon die ersten Marktstände entdecken können. Obwohl es schon später Nachmittag ist, fühlen wir uns wie an einem frischen Morgen, an dem der Monsun den Palmen gerade den Kopf gewaschen hat. Ob es an den vielen Vitaminen oder der unglaublichen Freundlichkeit der Bruneisen liegt? Die Buktus fallen auf wie fliegende Blinketoaster und alle freuen sich, uns zu sehen. Von allen Seiten werden wir angelächelt, gegrüsst und angewunken. Wenn wir zurückwinken, wird vor Freude einmal um den Marktstand gekichert.

 

Vorbei an getrockneten Fischen, Glitzerschalen und Dschungelbananen-Bergen entdecken wir endlich den Zauberamulettstand unseres Vertrauens. Entgegen unserer Erwartungen bedient uns hier kein Flaschengeist, sondern nur eine bezaubernde Bruneisin, die uns mit einem freundlichen "Can I help you, sisters?" begrüsst. Natürlich kann sie uns helfen, schliesslich wollen die Buktus wissen, was sich hinter den Zauberamuletten verbirgt.

 

Camelteam in Brunei auf dem Markt

Kann man mit ihrer Hilfe vielleicht Weltreisen auf Ewigkeit ausdehnen oder Weltfrieden hexen? Leider verstehen wir keines der zarten Wörter unserer Sister, sie deutet nur immer wieder auf den kleinen Fluss hinter uns und macht mal ein liebes und mal ein sehr angespanntes Gesicht. Da der Sultan von Brunei der 29. Nachkomme des berühmten Piraten Bolkiah ist, tippen wir auf einen guten Piratenzauber, der den Menschen kein Holzbein, dafür aber eine ganze Menge Glück bringen kann.

 

"Palast in Sicht" sagt sich das Team Buktu und verabschiedet sich in Richtung Hotel, schliesslich wollen wir den Brief an den Sultan schreiben, wäre doch nett, wenn die Buktus einem der reichsten Männer dieser schönen Erde einen Besuch abstatten dürften.

 

Und wer weiss, vielleicht hat uns die Hitze bis dahin auch schon landestypisch kleingeschrumpft......

 

Keep the love burning, Eure Buktus

 

Letzte Änderung: 13.07.2004
Medien (diese Seite): ctbk
Autor: ctbk

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