19.07.2001

Burg Vischering im Münsterland

Ein Stück lebendiges Mittelalter

Burg Vischering im Münsterland
Die ständigen Fehden im 13. Jahrhundert veranlassten den münsterischen Fürstbischof im Jahre 1271 dazu, eine Wehrburg bei Lüdinghausen zu errichten, um dem örtlichen Adelsgeschlecht seine Macht zu demonstrieren. So entstand die Burg Vischering, die älteste Wasserburg Deutschlands. Die trutzige Rundburg ist auf Pfählen gelagert und umgeben von einem ausgedehnten Gräften-System. 250 Jahre lang widerstand sie allen Übergriffen, bis im Jahre 1521 ein Feuer in der Hauptburg ausbrach, bei dem grosse Teile des Gebäudes sowie das gesamte Archiv mit allen älteren Nachrichten zerstört wurden. Der Wiederaufbau, der sich über Jahrzehnte hinzog, erfolgte im Stil der Renaissance und gab der Burg im Wesentlichen ihr heutiges Gesicht.

 

Wegen ihres einzigartigen Erhaltungszustands zählt die Burg heute zu den besten Beispielen mittelalterlicher Wehrburgen in Deutschland. Seit 1971 pachtet der Kreis Coesfeld die Burg und macht sie damit der Öffentlichkeit zugänglich. Über eine Zugbrücke gelangt der Besucher in die Vorburg mit den ehemaligen Wirtschaftsgebäuden. Heute befindet sich hier ein Teil des Münsterlandmuseums, in dem das damalige bäuerliche Leben und Arbeiten dargestellt werden. Neben regelmässigen Sonderausstellungen gibt es auch eine Mitteralter-Ausstellung über Ritter und ihre Pferde, die speziell für Kinder konzipiert ist. 

 

Von der Vorburg aus kommt man über eine Holzbrücke durch ein mächtiges Tor in den efeubewachsenen Innenhof der Hauptburg. Im Sommer dient er als idyllischer Biergarten, in dem sich Familien, Radwanderer und Motorradfahrer gemeinsam Kaffee und Kuchen schmecken lassen. Eine Steintreppe führt hinauf auf den Wehrgang. Von hier aus kann man die fetten Karpfen und Enten in der Gräfte beobachten. Er bietet ausserdem einen wunderschönen Ausblick auf den Ringwall mit den bis zu 400-jährigen mächtigen Stieleichen und einer grossen Winterlinde.

 
Burg Vischering im Münsterland

Über den Wehrgang erreicht man einen weiteren Teil des Münsterlandmuseums. Unzählige Ausstellungsstücke "erzählen " über die Geschichte der Burg und das Leben der Adeligen. Unter anderem lassen sich hier diverse Folterinstrumente bestaunen, mit denen der Burgherr die Gerichtsbarkeit ausübte oder Nachbarn zur Abgabe von Land zwang. Ein eisernes Stachelhalsband und ein Fussblock sind anschauliche Exponate.


Sehr beeindruckend ist auch ein prachtvolles Renaissance-Bett mit aufwendigen Schnitzereien, die Motive in Anlehnung an die Totentanzfolge Hans Holbeins des Jüngeren darstellen. An Ausstellungen über Küche und Tischkultur des 16. Jahrhunderts vorbei gelangt man in die Gebäudeteile, die nach dem Brand neu gestaltet wurden. Die zusätzlich eingebauten Fenster, ein Erkerzimmer und ein prachtvoller Festsaal mit bemalten Deckenbalken, lassen hier einen besonders guten Eindruck vom Lebensgefühl der Renaissance und dem Bedürfnis nach mehr Lebensqualität entstehen.

 

Nach der Burgbesichtigung sollte man sich auf jeden Fall noch Zeit für einen Spaziergang durch die Aussengräfte nehmen. Entlang der Flachgewässer führt ein Naturlehrpfad im grossen Bogen um die verschiedenen Wassergräben der Burg. Hier kann man Wasservögel beobachten oder einfach entspannt von einer Bank aus zusehen, wie die Sonne hinter der Burg untergeht und dabei noch einmal die gesamte Anlage in goldenes Licht eintaucht.

 

Letzte Änderung: 19.07.2001
Medien (diese Seite): ulha
Autor: ulha

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