Nicht nur im Winter, wenn es schneit
Böhmisches Riesengebirge - zu Gast im Reich von Rübezahl
Viel kann man im Vorfeld über den Geist lesen, der in immer neuer Gestalt seit Jahrhunderten den Bewohnern und Gästen des Gebirges manch deftigen Schabernack spielt. Doch jetzt heisst es still sein, denn wenn man ihn Rübezahl ruft, was so viel wie geschwänzter Unhold heisst, kann er recht böse werden. Ja, "Herr und Gebieter des Riesengebirges", so lässt er sich gern nennen.
Das erste Konterfei des Berggeistes fand sich übrigens bereits auf einer Landkarte aus dem Jahre 1561. So richtig hof- und literaturfähig machte ihn der 1630 zu Zethlingen geborene Johannes Paul Schultze. Auf dessen Sagen beruhen so ziemlich alle Geschichten und Legenden über das Treiben Rübezahls. Doch jetzt, der Regen lässt etwas nach, ist der Alte wie ein Schatten im dichten Wald verschwunden. Hat er das Auto gesehen, plant er einen Streich oder täuschte nur die schummrige Lichtstimmung? Eines steht fest, ob geschnitzt, gemalt oder gebastelt, in den nächsten Tagen der Reise durch das böhmische Riesengebirge wird der alte Mann zum ständigen Begleiter.
Über viele Jahrzehnte war es das beliebteste Mittelgebirge Deutschlands. Besonders die Berliner reisten mit Begeisterung ins Böhmische. Nach den Visaerleichterungen für DDR-Bürger Anfang der 70er Jahre gehörte das Riesengebirge erneute zu den Topp-Reisezielen der Ostdeutschen. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Während es im schlesischen Teil des Gebirges eher sanft zu geht, lebt die böhmische Seite von der herben Ausstrahlung tiefer Täler und weiter Seitenkämme. Auf einer Höhe von rund 700 Metern liegt mit Harrachov (Harrachsdorf) einer der Orte, die zum Synonym für das Wintersportzentrum Riesengebirge geworden sind.
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