Amsterdam - zu jeder Zeit Anlaufstelle für alle Welt
Ehrwürdig und weltoffen
Gar nicht altmodisch ist hingegen das ganz eigene Lebensgefühl in Amsterdam. Die Bevölkerung ist multikulturell, Liberalität und Toleranz werden groß geschrieben. Die teils auch negativen Auswirkungen weitgehend aufgefangen. Die wirklich wilden Zeiten der Stadt gehören aber mittlerweile der Vergangenheit an.
Amsterdams Geschichte ist mindestens ebenso sehr mit dem Meer wie mit dem Festland verbunden. Die ersten Siedler bauten ihre Fischerhütten auf Sandhaufen, die den umgebenden Schlick überragten. Im stetigen Kampf mit Meer und Sturmfluten trotzten die Bewohner mit Dämmen und Trockenlegungen dem Meer immer weitere Flächen ab, so dass um 1300 bereits eine blühende Stadt samt Hafen entstanden war. Der Seehandel und der Aufbau des niederländischen Kolonialreiches machten Amsterdam zum wichtigsten Hafen Europas, in dem Waren und Reichtümer aus aller Welt angelandet wurden.
Charakteristisch für Amsterdam sind die Kanäle, die Amsterdam in beinahe 100 Inseln unterteilen, welche durch rund 1300 Brücken wieder miteinander verbunden werden. Diese Grachten, welche das historische Zentrum der Stadt in immer größeren Kreisen umschließen, dienten der Entwässerung, dem Transport und auch der Verteidigung der Stadt. Heute bieten sie die schönste und bequemste Möglichkeit, Amsterdam zu entdecken: per Boot.
Auf den Inseln zwischen den Grachten finden sich die für Amsterdam typischen alten Häuser. Auf sehr schmalen Grundstücken reihen sich kleine, meist mehr als drei- oder vierstöckige Häuschen mit bunt verzierten und individuellen Fassaden aneinander. Dem Widerstand der Bürger ist es zu verdanken, dass die meisten dieser Grachten und Häuser, von denen heute rund 7000 unter Denkmalschutz stehen, erhalten geblieben sind.
Amsterdam genießt seit jeher den Ruf, eine liberale und weltoffene Stadt zu sein. Seit dem Mittelalter zog die Stadt Flüchtlinge aus anderen Teilen Europas an, die sich hier eine neue Existenz aufbauen konnten. Vor allem nach 1945 kamen hunderttausende Bewohner der ehemaligen holländischen Kolonien ins Land, weshalb auch Amsterdam heute über eine bunt gemischte und multikulturelle Bevölkerung verfügt. Hinzu kommen Gastarbeiter aus verschiedenen europäischen und afrikanischen Ländern. Im Gegensatz zu anderen Ländern ist es dem kleinen Holland im großen und ganzen gelungen, die unterschiedlichen Nationalitäten und Religionen zusammenzuführen.
Nach der Mitte unseres Jahrhunderts wurde Amsterdam auch zur Anlaufstelle für Hippies aus aller Welt und andere Gruppen. Die sogenannten Provos, die gegen Konsum, Krieg und konservative Lebensart protestierten, wuchsen in Amsterdam zu einer eigenen Gemeinde an. Ihnen folgten die Kabouters, die nicht nur ihren eigenen Staat ausriefen und Häuser besetzten, sondern sich auch in die Kommunalpolitik einmischten. Auf die ausufernde Drogen- und Krawall-Szene, welche auf traditionelle Vorläufer zurückblickten, reagierte Amsterdam nicht mit Repression und Verfolgung, sondern mit der Schaffung von Hilfsangeboten. Drogenszene, Obdachlosigkeit und Kriminalität sind seitdem stark gesunken, Amsterdam gilt heute in vielen Bereichen als Vorbild für andere Städte.
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