Ägypten: Mythos Nil
Der längste Strom der Welt
Der längste Strom der Welt ist auch der sagenumwobenste. Für die alten Ägypter war er der Anfang und das Ende. Der Nil galt als Gott, dem gehuldigt wurde, wenn das Wasser zu steigen begann. Von seiner Magie hat der Gigant unter den Flüssen dieser Erde bis heute nichts verloren.
Der Nil ist Leben. Die in früheren Jahren mit den alljährlichen Hochwassern angeschwemmten Schlammmassen verwandelten die Ufer des Niltals in einen Garten Eden. Hier entstand eine der ersten Hochkulturen, hier befand sich die Kornkammer der Antike. Über Jahrhunderte war der Strom Anziehungspunkt für Eroberer und Entdecker, heutzutage fasziniert er Reisende.
Gemächlich gleiten die Boote mit ihrem geringen Tiefgang durch die Fluten. Es geht vorbei am Tal der Könige, das von zwei mächtigen Statuen bewacht wird. Hier findet sich der imposante Totentempel der Pharaonin Hatschepsut, die bis heute von den Ägyptern verehrt wird. Nicht minder beeindruckend sind die großen Tempelanlagen von Edfu. Highlight: der Horus-Tempel , bewacht von den meterhohen Statuen des Falkengottes.
Ganz und gar unbeschaulich geht es hingegen an den heillos überlaufenen Anlegestationen zu. Fischer, Händler und Touristen: hier herrscht buntes Treiben. In zwei, drei oder mehr Reihen machen die Boote hier nebeneinander fest. An Land gelangt man nur durch Klettern von Kahn zu Kahn, mitunter ein abenteuerliches Unterfangen mit großem Unterhaltungswert.
Assuan im Süden ist vor allem berühmt durch seinen spektakulären, 1902 erbauten Staudamm, der erstmals den Nil in seine Schranken zwang. Sein Wasserkraftwerk versorgt die gesamte Region mit Strom. Der vor etwas mehr als einem Vierteljahrhundert erbaute Hochstaudamm bietet ein einzigartiges Panorama über den riesigen Nassersee und die umliegende Wüstenlandschaften. "Ägypten", sagte der Philosoph Herodot vor rund zweieinhalbtausend Jahren, "ist ein Geschenk des Nils."
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